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Stahlhäuser und Stahlhaus-Siedlungen bei Düsseldorf.

Von R i e h a r d ß a t z , Architekt, Essen.

 Die Stadt Düsseldorf hat in Düsseldorf-Rath 246 Wohnungen und in Düsseldorf-Wersten ebenfalls 246 Wohnungen für Flüchtlinge und Ausgewiesene mit zum Teil kinderreichen Familien in Stahlbauweise errichten lassen.

Beide Siedlungen wurden nach, dem Entwurf des städtischen Hochbauamtes in Düsseldorf durch die Stahlhaus G. M. B. H„ Duisburg-Ruhrort, errichtet.

Die von ihr hergestellten Stahlhäuser sind S t a h I 1 a m e11en bauten nach dem System Blecken, bei denen die äußere Haut der Umfassungswände durch 3 mm starke 1,15 X 2,80 m große Platten aus gekupferten Thomasstahl mit beiderseitigem dauerhaftem Rostschutzanstrich gebildet wird.

Dieser äußeren Haut fällt die Aufgabe des Eigentumsschutzes und der Abweisung grober Witterungseinflüsse zu.

Sie ist außerdem der tragende Teil der Außenmauer, der die Lasten der Balkenlage und des Daches aufzunehmen hat.

Zu diesem Zwecke und gleichzeitig zur Verbindung untereinander sind die einzelnen Stahllamellen an ihren Rändern etwa 8 ein tief rechtwinklig umbördelt.

Sie werden bei der Montage mit diesen Umbördelungen aneinander geschraubt.

Jede der so entstehenden Verbindungsstellen, vermag nach dem Gutachten des Materialprüfungsamtes in Berlin-Dahlem eine Last bis zu 12 t zu tragen.

Mit den Stößen der Lamellen werden 8 X 8 em starke Holzpfosten verschraubt, die zur Befestigung der den Wärme- und Kälteschutz übernehmenden i n n e r e n . Haut der Außenwand dienen, für die alle wärmeisolierende Stoffe, wie Tekton-, Teruklith-. Lignat und Gipsplatten sich eignen.

Auch die Ausführungen in Celotex und Asbestplatten in Verbindung mit Holzschalung haben sich bewährt.

Zu den Düsseldorfer Siedlungen sind als Material für die innere Auskleidung 7 cm starke Gipsschenkelplatten verwendet worden, deren Wärmedichtigkeit in Verbindung mit der Stahlwandkonstruktion im jähre 1928 vom Laboratorium für technische Physik der Technischen Hochschule München gleich der einer beiderseits verputzten Ziegelmauer von 38 cm Stärke festgestellt wurde.

Hierbei fällt in Anbetracht der hohen Wärmeleitfähigkeit des Stahls fast der volle Anteil der Wärmesperrung natürlich der inneren Wandverkleidung- zu, wozu noch wesentlich die Anordnung von Lüftungsöffnungen im Fuß- und Kopfblech der Außenwand beiträgt.

Die Temperatur im Hohlraum der Wand wird daher nie wesentlich von der Außentemperatur abweichen.

Wie wirksam damit gegen den Niederschlag von Kondenswasser auf der Stahlwand vorgesorgt ist, ergab eine im Dezember 1928 vorgenommene Untersuchung eines Anfang 1926 erbauten, innen mit Gipsschenkelplatten ausgestatteten Stuhlhauses.

Bei einer Differenz von 25° zwischen äußerer und innerer Temperatur zeigte sich nach Entfernung der inneren Wandverkleidung, daß die Innenseite der Stahlwand absolut trocken war und nirgendwo Ansätze von Rost bemerkbar waren.

Den beiden Düsseldorfer Siedlungen hat äußerste Sparsamkeit ein Gepräge gegeben, das auch in der äußeren Erscheinung der Siedlung zum Ausdruck gebracht wurde.

Je sechs Zwei- bis Vierzimmerwohnungen wurden zu einem Block zusammengefasst.

Auf die Montage hoher Dächer mit darunterliegenden Trockenböden hat man verzichtet, ebenso in der Rather Siedlung auf die Unterkellerung der Gebäude.

Dort ist lediglich für die Aufbewahrung von Kohlen ein. unmittelbar vor dem Küchenherd liegender, durch eine Klappe im Küchenfußboden zugänglicher Raum von etwa 1 cbm Größe geschaffen worden.

Für die Unterbringung ihrer sonstigen Vorräte und Geräte -wurden den Bewohnern der Siedlung außerhalb der Baublocks besondere verschließbare Holzschuppen errichtet,

In der Siedlung Düsseldorf-Wersten sind sämtliche Baublocks zur Hälfte unterkellert, so daß dort zu jeder Wohnung ein geräumiger und luftiger Kellerraum gehört.

Die Dächer sind in beiden Siedlungen mit teerfreier Pappe eingedeckt.

Für die Fußböden, Fenster und Türen wurde in üblicher Weise Tannen- oder Kiefernholz Verwendet.

Die Bauzeit erstreckte sieb in der Rather Siedlung, vom Beginn der Erdarbeiten bis zum Beziehen der ersten Wohnungen gerechnet, über zwei Monate.

Der Herstellungspreis betrug für den Baublock mit sechs Wohnungen einschließlich Keller 26 000 RM, für die Wohnung also durchschnittlich 4500 RM.

Dieser relativ geringe Baukostenaufwand gestattet der Stadtgemeinde Düsseldorf, ohne eigene Zuschüsse die dreiräumige Wohnung mit rd. 50 qm Wohnfläche in der Siedlung in Rath zu einem Grundpreise von 21 RM und in der Siedlung in Wersten zu einem Grundpreise von 25 RM abzugeben.

Von diesen Beträgen kommen noch nach der Kinderzahl gestaffelte prozentuale Ermäßigungen für kinderreiche Familien in Abzug, so daß beispielsweise in der Siedlung Wersten eine Familie mit vier Kindern für eine dreiräumige Wohnung von ca, 50 qm Wohnfläche mit geräumigem Kellerraum und etwa 60 qm Garten 17,80 RM bezahlt.